Faltenfreie Seele reist durchs Leben, Reisen durch die Welt, Teneriffa - Aufbruch in ein neues Leben

Von Sprachbarrieren und neuen Bekanntschaften -Auswandern mit 60plus

Natürlich hat es mir Angst gemacht, hier eventuell mehr als sechs Monate allein zu sein, keinen Menschen kennenzulernen. Andererseits fand ich die Aussicht darauf, neue Menschen zu treffen sehr spannend. Als (Hobby-) Autorin find ich die diversen Charaktere faszinierend.

Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben Theater spielt, dann such dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht.

(William Shakespeare)

Gewählt habe ich meine Rolle hier noch nicht, bleibt es bei der der Beobachterin oder werde ich zur Akteurin. Lady Ela werde ich wohl leider in der Schublade lassen müssen, sie will nicht so Recht zu 50qm mit Mauerblick passen.

Die Sprache verbindet

Am Sonntag ist mir so richtig klar geworden, wie wichtig es ist, schnell, gut Spanisch zu lernen. Auf dem Weg hoch nach La Paz habe ich eine andere Auswanderin kennengelernt. Eine super nette Frau, die gerade einen heftigen Schicksalsschlag durchmachen musste.  Sie hat vor wenigen Monaten ihren Lebenspartner leblos, wohl bereits verstorben, im eigenen Haus vorgefunden. Ihr Spanisch reichte nicht, um selbst den Krankenwagen zu rufen.  Sie musste erst ihren Arzt anrufen und er hat dann den Notruf gewählt.

Das hat mir richtig Gänsehaut bereitet und mir ist nochmal klarer geworden, eine Sprachschule muss gefunden werden. Da hat mir das kluge Leben  mal wieder einen ordentlichen Sich BS gegeben

G. war sehr nett und lud mich direkt ein, an Aktivitäten teilzunehmen, die von der deutschen Kirchengemeinde veranstaltet werden und noch am gleichen Tag mit ihnen in ein Cafe zu gehen. Die Aufgeschlossenheit überrascht mich hier immer wieder.

Unterrichtsstunde in Teneriffakunde von einem der sich auskennt

Hier kann man echt einiges erleben, auch abseits der so schönen Landschaft. Ich habe mich beispielsweise mit einem anderen Auswanderer getroffen, ein netter und freundlicher Mensch. Es war beruhigend, meine Sorge hier auf Kunst und Kultur verzichten zu müssen, war nicht nur unbegründet, sondern vielleicht auch ein klitzekleines Bisschen arrogant. Nun weiß ich, es gibt in Santa Cruz eine Oper, ein Kunstmuseum, andere Museen und auch an anderen Orten ein gutes kulturelles Angebot. Jetzt überlege ich, ob ich im Oktober Ariadne auf Naxos oder im November Madame Butterfly sehen möchte.

Ein wenig gekränkt schien er, ob meiner im Scherz gestellten Frage, er lese wohl meinen Blog. Das wies er weit von sich, denn er wäre, als der mit den Ortskenntnissen, ja wohl nicht meine Zielgruppe. Das stimmt natürlich und nicht jede*r ist so wissbegierig (neugierig?) wie ich. Aber ich durfte soviel über das Leben hier lernen, beispielsweise auch, dass mich ein Auto wesentlich interessanter machen würde. Leute wünscht euch das nicht, bei den Kurven hier, fahren ohne Führerschein 😉

Ela blickt durch

Langsam habe ich hier den Durchblick. Es scheint, als gäbe es mindestens zwei Auswanderergruppen, zum einen die La Paz-Gruppe und zum anderen die Downtown-Connection. Interessante Stories haben beide zu erzählen. Nach meinem ‚Date‘ habe ich mir ein Notizbuch gekauft, weil ich all diese Begegnungen extrem spannend finde.

Mein größtes Manko❓

Egal bei welcher Connection, es kommt nie gut an, wenn ich mich als Nicht-Autofahrerin oute.  Meine Theorie: Es fehlen Fahrer*innen. Aber vielleicht gibt es ja irgendwo noch eine Urban (Berlin)-Connection? Darin sind  dann die, die sich auch gerne mit Öffis im Land bewegen. Bitte gerne melden!

Auf jeden Fall war mir nicht mehr klar, wieviel Spaß es macht, neue Menschen zu treffen. Aber genauso bewusst wird mir, wie wichtig es ist, die eigene Gesellschaft genießen zu können.

Kleiner Nachtrag

Heute hatte ich meine erste Probestunde Spanisch, mein Kopf behauptet die 43 Jahre seit meinem Abi seien eine verdammt lange Zeit. Hättest du ihn rauchen sehen, wäre die Feuerwehr angerückt 😉. Es hat aber auch Spaß gemacht und die kleine Gruppe ist toll, so wie der Preis (8,15€/Stunde). Nächste Woche mache ich einen Einstufungstest für den intensiven Grammatik -Kuts und Donnerstag schaue ich mir noch eine andere Schule an. Schaum mehr mal … Aber schließlich und endlich bin ich ja nicht in Spanien um nur Deutsche zu treffen.

New Shoes

Übrigens bin ich richtig stolz darauf, dass ich es geschafft habe mir auf Spanisch Schuhe (Was tut Frau nicht alles?) zu kaufen: „Estás Zapatos en treinta y nove porfavor. Perfecto! ¿Quanta costa? Si, yo tomo. Muchas gracias 😊“ Du darfst mich gerne bewundern 😉.

… Fortsetzung folgt

2 Gedanken zu „Von Sprachbarrieren und neuen Bekanntschaften -Auswandern mit 60plus“

  1. „Estás Zapatos en treinta y nove porfavor. Perfecto! ¿Quanta costa? Si, yo tomo. Muchas gracias 😊“ Du darfst mich gerne bewundern 😉.

    Merke:
    1. zapato – O – ist ein Mann. Dann braucht es nur Männer! -> Estos – O.
    Und wir schreiben Substantive klein, es sei denn sie sind Namen.
    2. Dieser Akzent (toll, daß Du sie respektierst, tu ich nicht) kommt nur beim Verb estar, nicht aber bei der esta/esto (diese) etc Geschichte.
    3. nueve = 9 – – Nove ist portugiesisch, oder ist es italienisch?
    4. Cuanto cuesta? (unregelmäßig costar)
    5. Si, los tomo. oder Si yo los tomo. (Das yo kannste weglassen, wenn Du das Verb korrekt hast – besser mitsprechen am fehlerhaften Anfang.)

    Du machst das prima! Ich machte genau die gleichen Fehler damals. Natürlich eher nicht beim Schuhe kaufen.
    Ich schreibe kaum Spanisch (arbeite in Englisch, denke in Deutsch und draußen ist es Spanisch). War eine gute Übung für mich!
    Und ja, Du wirst bewundert!!

  2. Vielen Dank, wie nett!
    Ich hatte 45 Jahre kein Spanisch, daher kann ich nur um Nachsicht bitten. Aber nun lerne ich ja wieder und die Verkäuferin hat mich trotz der Fehler verstanden.
    Übrigens, wo wir gerade so nett dabei sind: ‚Ich habe damals genau die gleichen Fehler gemacht.‘
    Liebe Grüße
    Ela

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