Was hat Berlin, das Tiergartenviertel mit einem Eintopf zu tun? Den Eintopf am Freitag (und Samstag)? Ein fixer Begleiter meiner Kindheit und Jugend. Darin fanden sich allerlei Reste und überhaupt alles, was Kühl- und Küchenschrank so hergeben. Wichtig war (bei uns), er reichte für zwei Tage. Mama oder Oma hatten dadurch einen Tag in der Woche, an dem sie nicht kochen mussten. Wir anderen liebten die Eintöpfe, egal ob Gemüse-, Nudel-, Erbsen-, Linsen- oder dicke Bohnensuppe. An diesen freien Samstagen gingen Mama und ich dann häufig Schaufenster bummeln, manchmal landeten wir im Cafébei leckerer Torte. Geendet haben die Samstage spätestens um 14.00 Uhr, dann schlossen die Läden und immer war der Besuch der Buchhandlung der Schlusspunkt.
Warum. erzähle ich euch davon? Weil dieser Post so eine Art Eintopf ‚meines‘ Viertels und er endet mit einem Buch.
Tatsächlich war ich diese Woche viel unterwegs, aber ich habe nichts ‚großes‘ gemacht. Darum ist das nun mein Samstags-Eintopf, frisch serviert am Sonntag.
Berlin – wie’s damals war
Mein Berlin, wie haste dir verändert,
in dir lärmt’s, dein Horizont ist weit.
Denke ich zurück an alte Zeiten,
damals trugst du noch ein graues Kleid.
Hinterhöfe und auch Kellerkneipen,
sie verschönten damals dein Gesicht.
Kudamm war gerade erst am wachsen,
auch Theater kannt‘ man noch nicht lang.
Lemkes Sel’ge spukte durch die Häuser,
Ede trug am Morgen Zeitung aus.
Droschkenkutscher warteten an der Ecke,
gerne fuhr man mal auf`s Land hinaus.
Abends ging man zum Zoolog’schen Garten,
auch bei Kranzler war man gern zu Gast.
Vater Zille stand mit dem Notizbuch,
stets bereit, den Bleistift in der Hand.
Christina Telker
(*1949) https://www.aphorismen.de/gedicht/208846
Das alte Tiergartenviertel

Im Foyer der Kunstbibliothek (Kulturforum Potsdamer Platz) gibt es eine hochinteressante Ausstellung zum alten Tiergartenviertel und seine Geschichte in den ersten 30 Jahren des vorherigen Jahrhunderts.
Es war damals der Treffpunkt für Kunst und Fashion. Besonders imponiert mir Paul Cassirer, er war der Mann der den internationalen Impressionismus (Van Gogh, Monet, Manet, Macke, Degas, Cézanne, …) gegen alle Widerstände in die Welt getragen und populär hat.
Wusstet ihr, dass eine Frau aus dem alten Tiergartenviertel z.B. den Goldenen Bären, der bis heute bei den Filmfestspielen verliehen wird, erschaffen hat. Von der Künstlerin Renée Sintenis stammt er. Den Aston Martin von James Bond erdachte der zweifache Oscar-Preisträger Ken Adam (Hugo Klaus Adam). Beide waren in Tiergartenviertel Zuhause.



Marlene Dietrich reiste mit Koffern voller Kleidungsstücke von Erna Becker im Gepäck nach Hollywood. Von Frau Becker wurde auch die legendäre Marlene-Hose erfunden, die wir bis heute gerne tragen.
Sachlichkeiten
Mehr zur Ausstellung ‚Das alte Tiergartenviertel‘ findet man hier.
Anschrift: Matthäi Kirchplatz, 10785 Berlin
Das neue Tiergartenviertel

Als ich im Jahr 2000 nach Berlin kam, war Tiergarten einer der Bezirke, wie beispielsweise auch Neukölln, die es zu meiden galt.

Das hat sich inzwischen gründlich geändert, ausgehend vom Potsdamer Platz wanderte die Coolness immer weiter in Richtung Schöneberg. Da ist das Kulturforum mit all seinen Museen, Ausstellungen, der schwangeren Auster (Haus der Kulturen der Welt) und den dahinter liegenden Straßen, in denen sich jede Menge kreativer Energie verbirgt.






Zugegebenermaßen, das Viertel hat sich etwas verschoben, heute findet sich der Vibe des alten Künstlerviertel nicht dies- sondern jenseits der Potsdamer Brücke gepaart mit etwas Rotlicht. Hat man die Brücke überquert, finden sich an der Potsdamer Straße, den Querstraßen und Höfen viele kleine und große Galerien, Modelabel und andere kreative Adressen. Übrigens haben sich auch einige gute Restaurants und Cafes sowie auch der wunderbare Wintergarten, der immer wieder Weltklasse -Artisten aufbietet, angesiedelt. Im Wintergarten Variete ist auch schon die legendäre Josephine Baker aufgetreten.
Park Gleisdreieck

Nicht zu vergessen, einer der neuen Parks, der am Gleisdreieck, er beginnt fast am Potsdamer Platz und begrenzt das neue Tiergartenviertel. Ein sehr urbaner Park, nicht romantisch, wenig idyllisch, bietet er genau die Freizeitmöglichkeiten, die Berliner*innen suchen, riesige Wiesen zum Picknicken, Sporteln, viel Platz für die Kleinen, aber auch für die die Kleingärten wie früher bei Opa.



Woran mag es liegen, dass in einem Viertel nach 100 Jahren wieder ein ähnlicher Wind weht, leider auch inklusive der negativen Aspekte. Es werden ähnliche Menschen angezogen und dieser besondere Vibe ist gegenwärtig. Ist diesem oder einem ähnlichen Phänomen schon jemand nachgegangen? Wie entsteht das❓

Sachlichkeiten
(Enthält unbezahlte und -beauftrage Werbung)
Sobald man die Potsdamer Brücke überquert hat, ist man mitten drin. Ich würde mich immer der Nase nach durch die Straßen treiben lassen.
Bekannt ist die Ecke auch für tolle Vintageläden. Aber auch viele Cafés und Restaurants laden ein.
Gut z.B. (nur meine Meinung)
- Cafe Odor, ein kleines koreanisches Cafe in der Kurfürstenstraße
- Cafe Eule im Gleisdreieck Park
- Josef Roth Diele (Potsdamer Straße, solide deutsche Küche in toller Atmosphäre)
- Restaurant Irma la Douce, gut mit Michelin Stern und entsprechend teuer. Es gibt eine bezahlbare Lunchkarte.
- Mittagstisch im Wintergarten Variete, lecker und faire Preise.
Fortsetzung folgt …