Natürlich war ich nicht nur um im Hotel zu wohnen in Santa Cruz. Der Hauptgrund war mein groooßer Hunger nach Kultur. Da ich mich kenne und schon ahnte, dass es soweit kommen würde, hatte ich mir bereits im September eine Karte für Madame Butterfly gekauft. Wohlweislich hatte ich eine Oper gewählt, die ich noch nicht kannte. Denn so würde ich keinen Vergleich haben. Clever oder?, Aber wie sich später herausstellte, völlig unnötig. Aber dazu komme ich im nächsten Post.
Casa del Carnaval – wo der Karneval von Teneriffa Zuhause ist

Die leidige Geschichte mit dem Hotel kennt ihr schon. Jedenfalls machte ich mich gleich nach dem dem Frühstück auf in Richtung Altstadt. Wie fast immer auf dieser Insel ging es bergauf und bergab. Fitnessstudio checked! Hier ist alles inklusive.
Als erstes stand bei mir die Casa del Carnaval auf dem Plan. So richtig konnte ich mir nämlich nicht vorstellen, dass es auf meiner kleinen Insel, den zweitgrößten Straßenkarneval der Welt (❗) nach dem in Rio den Janeiro geben sollte. Das und die unglaublichen Bilder, die ich davon gesehen hatte, haben mich neugierig gemacht.
Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?
(Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter)
Wie kam der Karneval nach Teneriffa?
Neu- nein wissbegierig wie ich bin, stellte ich mir die klassischen Fragen: Wann? Wie? Wo? Die Erklärung ist, wenn man sie erstmal kennt ganz logisch:
Die Festland-Spanier und -Portugiesen, die diese einstmals heidnische Tradition schon lange pflegten waren schuld. Für sie war im 16. Jahrhundert Teneriffa ein Zwischenstopp auf dem Weg in die neue Welt. Auch an Bord pflegten sie ihre Bräuche und Sitten, aber mehr Spass machten diese natürlich unter Beteiligung der holden Weiblichkeit. So feierten die Seeleute am liebsten bei den Landgängen ihre Feste. Die Canarios waren begeistert, so wie einige der Seemänner von den bildhübschen Mujeres und Chicas auf Teneriffa. Einige konnte sich nicht wieder losreißen und blieben. Hinzu kamen Händler und Siedler, die sich vom Leben auf Teneriffa ein gutes Geschäft versprachen. Sie wurden hier mitsamt ihrer Feste heimisch. Auch sie hingen an ihren Traditionen, wie dem Karneval und zog er schon sehr bald ein, in die Straßen von Santa Cruz und dem Rest der Insel.

Der Samba rockt😉
Natürlich machten auch Reisende auf dem Rückweg aus Südamerika Station auf der Insel und so nahmen die Einflüsse des Carnaval de Brasil auf den den hier auf Teneriffa immer mehr zu. Es entstanden wie in Rio Schulen, Gruppen und so weiter. Besonders die Gruppe der Comparsas (Tanzgruppen, die sich durch ihre lebendigen Kostüme, energiegeladenen Tänze und die mitreißende Atmosphäre auszeichnen) auf Teneriffa zeigt den brasilianischen Einfluss deutlich.
Schon im 18. Jahrhundert war der Karneval richtig groß geworden. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Karneval weiter. Neben Tanz und Musik kamen verschiedene Ausstellungen, Wettbewerbe und Kostüme hinzu. Der Gebrauch von Masken verbreitete sich. Eine Blütezeit erlebte er in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Schon damals reisten viele Touristen (per Schiff) an, um ihn mitzuerleben.
Ein trauriges Kapitel: Die Franco Diktatur
Dann jedoch kam der Bürgerkrieg und anschließend die Franco Diktatur. Dort hielt man nicht viel vom Karneval und verbot ihn erst einmal. Was meint ihr, hielten sich die Menschen dran? Erst Anfang der 60er Jahre wurde er wieder zugelassen, aber als Winterfest deklariert. Vor etwas mehr als 50 Jahren 1971 wurde er dann erstmals wieder ganz groß gefeiert.
Ein Rausch der Sinne
Heute ist er eine explodierende Farbpalette, tausende Menschen in fantasievollen Kostümen, die zu mitreißender Musik tanzen. Die Straßen sind erfüllt von einem Lärm aus Jubelrufen, Trommeln und Musik. Die Luft ist voll von einem Mix aus Süßigkeiten, Parfum und dem Duft des Meeres. Es ist ein Fest der Sinne, eine Mischung aus Tradition und Moderne, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.
Eigentlich bin ich überhaupt kein Jeck, aber auf diese verrückte Zeit freue ich mich schon und wünschte mir sehr bei der Wahl der Karnevalskönigin zuschauen zu dürfen, aber das wird wohl ein Traum bleiben, weil a) keine Karten zu bekommen sind und b) ich nicht hin käme. Aber mich hat schon die ganze Atmosphäre des Museums total begeistert. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.













*Infos*
Heute ist er DAS Ereignis sowohl in Santa Cruz als auch in Puerto de la Cruz. Er beginnt 2025 am 31. Januar und endet am 9. März 2025 (Ein Link zum Ablauf im separaten Sachlichkeitenpost, nach Beendigung der Santa Cruz-Reihe).

Auf das Fest des Lebens folgt der …?
Tod! Folgerichtig setzte ich meinen Weg mit einem Besuch im Naturkunde- und Archäologie Museum fort. Übrigens war genau dieses Museum und der Vortrag eines mir unbekannten Matthias der eigentliche Grund dafür, drei Tage statt einem zu fahren.
Was ist mir entgangen? Natürlich der Vortrag (Mittwochs ab 11.00 Uhr), von dem alle, die ihn gehört haben, schwärmen. Schimpft mich ruhig Banausin, aber Matthias muss wirklich, wirklich gut sein. Denn das Museum selbst hat mich leider gar nicht mitgenommen. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass alle Infos nur auf Spanisch verfügbar waren. Deutsch und Englisch nur über die ziemlich instabile Wlan-Verbindung. Warum bitte keine QR-Codes an den Exponaten?
❗Triggerwarnung❗Wer sensibel auf die Darstellung von Mumien etc. reagiert, bitte nicht weiterlesen
Dank eines morbiden Wesenszugs, den ich nicht verleugnen kann, faszinierten mich jedoch die Mumien, Knochen und Schädel. Um den Rest spannend zu finden brauche ich dann wohl doch Matthias.








Der nächste Post am kommende Sonntag führt uns dann aber wirklich endlich in die Stadt und natürlich auch in die Oper.
Fortsetzung folgt …
Ein Gedanke zu „Santa Cruz, Karneval und Mumien – ein Fest des Lebens“