Mit Lady Ela unterwegs, Reise durch die Welt des schönen Scheins, Reisen durch die Welt

Lady Ela gibt sich die Ehre: Teneriffa, Menschen gibt es …

Good News: Ich konnte die Britin Lady Ela  einmal mehr als Gastautorin gewinnen. Sie ist ganz anders als ich und es war nicht ganz einfach, sie zu begeistern. Ihre Beobachtungsgabe und ihr schwarzer Humor werden meinen Lesern hoffentlich gefallen. Nur von der Duzerei hält sie leider nichts.

Sehr erfreut, man nennt mich Lady Ela

Wie komme ich nach Teneriffa, warum habe ich den gleichen Vornamen?  Zufälle gibt es, außerdem heißt meine vermeintliche Namensschwester eigentlich Manuela, Ela ist nur ihr Nickname. Sie lud mich ein und ich kam, denn dem Blog fühle ich mich schon länger verbunden, wie Ihnen bekannt sein dürfte (siehe hier). 

Zudem, der Blog ist meine Sonntagabendlektüre  meist kurz nach Ende der Teatime, da wollte ich nicht so sein. Dabei hatte ich mit meiner Reise eigentlich warten wollen, bis das legendäre Taoro seine Pforten endlich wieder öffnet. Aber wer weiß, ob das noch zu meinen Lebzeiten geschehen wird? Nun, ich habe eine angemessene Schlafstätte gefunden.

Lady Ela

Diese Insel ist schon sehr hübsch mit der zauberhaften Natur, dem blauen, wenn auch wie ich hörte, an mancher Stelle leicht stinkendem Ozean. Aber das war bei meinem Onkel, dem Duke of Neverheard auch nicht anders. Was war das ein Spaß für uns Kinder, kreischend und die Nasen zuhaltend, vorbeizurennen, wenn alle paar Monate die Jauchegrube seiner Jagdhütte geleert wurde. Nirgends, ich schwöre, auf seinem Anwesen war das Gras grüner, die Blumen prächtiger und die Bäume ertragreicher. Diese albernen Leutchen, die man Touristen nennt, sollten sich nicht so anstellen, Haltung annehmen und sich für und über die gutgenährten Meeresbewohner freuen.

Interessant hingegen die Menschen hier, sie sind sehr anders. In meinen Kreisen gibt es ein ehernes Gesetz, keinen Alkohol vor 11 Uhr. Nun, ich nehme an, die Leutchen hier sind entweder zu alt bzw. zu betrunken um die Uhr zu kennen oder sie bewegen sich schlicht nicht in meinen, den richtigen Kreisen, was ich für nicht ganz unwahrscheinlich halte. Diese verwirrten Wesen kennen nicht einmal ihr eigenes Alter, da flirten 70-jährige hemmungslos und Damen, die diese Grenze lange überschritten haben, tragen Zöpfchen und dabei – man stelle sich vor – haben sie auch noch Spaß. Bin ich amused? Ich überlege noch.

Verstehen Sie mich nicht falsch, auch im Adel gibt es skurrile Menschen, wir nennen diese Snobs oder Exzentriker. Das klingt netter, ist aber prinzipiell das gleiche.

Geschichten könnte ich Ihnen aus meiner großen Familie erzählen. Insbesondere meine Tante, die Countess of Noidea, ist immer für eine Geschichte gut. Aber: Die Lady schmunzelt und schweigt, denn es geht um Familie.

Doch seit ich hier auf Teneriffa bin, habe ich in Abgründe geblickt, die selbst das, was bei Charlie und Willy, sogar bei Harry los ist, weitaus übertreffen. Was gar nicht so einfach ist, wenn man als künftiger König, öffentlich der Tampon seiner Königin in spe sein wollte, die das eigentlich nie werden sollte. Auch als Königssohn auf einer Party mal den schlimmsten Diktator zu geben ist interessant. Dass ein König ohne seinen Teddy im Arm nicht einschlafen kann, seinen Toilettensitz mit auf Reisen nimmt, nimmt sich dagegen harmlos aus.  Meine Damen, eure Handtasche ist euch immer zu schwer? Kein Problem, in meinen Kreisen gibt es dafür spezielle Handtaschenträgerinnen. Junge Damen mit vorzüglicher Erziehung selbstverständlich.  Sie tun einfach alles, um einen Gatten mit richtigen Stammbaum und Konto zu finden. Manchmal, wenn diejenige welche, zu hübsch, zu knackig, zu reizend scheint, packe ich einen kleinen Backstein in meine Tasche. You understand?

Sprechen wir über Teneriffa, den Norden

Von wem soll ich Ihnen erzählen? Verabredungen (Neudeutsch: Dates) gestalten sich auch hier spannend. Man hört von Herren – wenn man sie denn so nennen kann -, die laut eigener Aussage, äußerst wohlhabend sind, aber die Dame, die sie zuvor eingeladen haben, selbst ihren Cortado (1.20-1.60€) zahlen lassen.  Sie sollten dazu wissen, es gibt hier einen recht großen Kreis von Menschen, die einst zu den sogenannten Aussteigern der Gesellschaft gehörten. Ende des letzten Jahrhunderts war das sehr en Vogue. Inzwischen sind sie in die Jahre gekommen  und ihre finanziellen Polster ähnlich dünn, wie die Matratze in Manuelas erster Wohnung hier.

Besonders  amüsant fand ich die Geschichte, von einem vorgeblich erfolgreichen Autor (Genre: schmuddlige Kriminalromane). Wenn man seinen Vorträgen der Selbstvermarktung glaubt, so reißen sich die Verlage um ihn. Anscheinend betreibt er begeistert Fallstudien. Seine  Hände hat er dabei absolut nicht mehr unter Kontrolle. Parkinson oder angewandte Recherche?  Meine Tante Augusta würde schnaufen und sich so äußern: „Typischer Fall, alter Bock, ist bereits zum Abschuss freigegeben.“

Versteht mich nicht falsch, das alles könnte durchaus amüsant sein, wenn es mit Stil geschähe. Die Meinung meiner Gouvernante, die gute Miss Latimer (selig) dazu: „Gegen gelegentliche Lügen ist nichts einzuwenden, aber wenn, tue es in Perfektion und mit Stil“.

Alles Auslegungssache

Obwohl, wenn man glauben darf was erzählt wird, leben hier ausschließlich reiche Menschen , die allerdings den Meerblick meiden, weil das Salz alles verdirbt. Spanisch lernen sie besser nicht, weil nach der vierten Sprache, die Festplatte gefüllt ist. So leben sie hier in großem Luxus, mehrheitlich auf 38 qm, voll möbliert.

‚Buy british‘ lernten wir schon vor Jahrzehnten von der guten Margret (Thatcher), aber deutsche Auswanderer haben das weiterentwickelt: „Alles ist toll auf Teneriffa, aber mein Geld bleibt ausschließlich in deutscher Hand.“ Wer ist nun snobby, sie oder ich?


Soweit der Gastbeitrag. Viel Spass damit, ich, einfach Ela, bin dann mal weg.

📌Mittwoch und kommenden Sonntag wird es keine Posts geben, da ich Urlaub mache. Danach dürft ihr euch dann auf einen Beitrag über Lanzarote freuen.

Fortsetzung folgt …

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