Moin Amrum, Moin Hamburg, Sylt + Amrum, Reisen durch die Welt, Reisen mit der Bahn

Moin Amrum – die ganz andere Insel

Für Amrum, eine andere nordfriesische Insel unterbrach ich mein Chillout in Westerland/ Sylt (mehr dazu8). Am Sonntag machte ich mich zuerst auf den Weg nach Hörnum und von da dann mit dem Katamaran der Adlerschiffe nach Amrum.

Hinkommen

Das lohnt sich tatsächlich auch für einen Tag, man ist nur eine knappe Stunde unterwegs und hat sieben Stunden Aufenthalt. Die Fahrt mit Adler-Schiffe war so ruhig, dass man kaum merkte, dass man auf einem Schiff ist, bis man in den Außenbereich ging,von man es sah. Für Gäste bis nach Helgoland gab es anscheinend auch noch zusätzlich die Möglichkeit „Oberdeck“ zu buchen. Ehrlich gesagt, ist mir der Vorteil nicht klar geworden. Die Bar war im Unterdeck, die Sessel waren die gleichen. Bezahlt habe ich für die Hin- und Rückfahrt 41€,

On Tour

Ein besonderes Highlight wärend der Fahrt waren für mich die Seehundbänke, auf denen die Robben trotz des Schiffsverkehrs faul in der Sonnen lagen.

Den Seehunden geht es gut auf ihrer Sandbank

Wittdün – hier kommen alle an

Um 10 Uhr waren wir in Hörnum abgefahren und wir sollten um 10.50 Uhr ankommen, so dass man dann den Inselbus um 10.55 Uhr bekommen hätte. Hätte! Denn wir waren ein paar Minuten später da und konnten dem Amrum Bus nur noch hinterherwinken. Da Sonntag war fuhr dieser auch nur jede Stunde einmal. Ich hatte keine Lust so lange am Anleger zu stehen und lief in den Ort nach Wittdün.

Das dauerte allerdings auch nicht wirklich lange, 15 Minuten später, und ich hatte mich nicht beeilt, stand ich schon an der nächsten Haltestelle. Auf dem Weg fand ich die Bucht am Wattenmehr sehr hübsch und ich staunte darüber wie grün Amrum ist. Nachdem ich ja noch so viel Zeit hatte, wollte ich mir auch noch den Weg zum Strand ansehen , auch dafür brauchte ich nur 10 Minuten. In Wittdün gab es, wie auch in den anderen Inselorten wenig geöffnete Lokale, von Geschäften (Sonntag!) mal ganz zu schweigen.

Gestaunt habe ich, wie sehr sich die Urlauber*innen von denen auf Sylt unterscheiden. Die Gäste sind im Schnitt sehr ruhige, sehr gepflegte und äüßerst passend gekleidete Menschen. Kennt ihr die typischen Prenzelberg-Familien? Papa, Mama, groß, gut aussehend, teuer, aber nie übertrieben aufgemacht, hier natürlich im maritimen Stil mit zwei bis drei sauber geschrubbten Kindern und vielleicht einem Familienhund. Natürlich mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei fällt mir ein, ich habe noch nie so viele Fahrrad-Verleihe gesehen, wie auf Amrum. Es wäre clever gewesen, mir ebenfalls ein Fahrrad zu mieten, aber seit meiner letzten großen Wirbelsäulen-OP habe ich Angst.

Nebel – fast schon Poesie

Auch nicht schlecht, ich habe die Wartezeit auf den Bus für meine eigenen Betrachtungen genutzt, was Spaß gemacht hat. Der Bus kam pünktlich und brachte mich in 10 Minuten in den nächsten Ort: Nebel. Er ist tatsächlich noch ruhiger, leider hatte kein einziges Lokal mittags auf, so dass aus meinem erträumten Kaffee nichts wurde. Dafür bummelte ich durch zauberhafte Natur, wunderhübsche Straßen, vorbei an Bauerngärten bis zur berühmten Kirche und dem Friedhof mit den „sprechenden“ Grabsteinen. Sie werden so bezeichnet, weil auf ihnen, die gesamte Lebensgeschichte des Verstorbenen vermerkt ist, in etwa so: Jan Clüver war Kapitän und fuhr fast 30 Jahre zur See, verheiratet war er mit … Hoch interessant!

Es gibt Wichtigeres im Leben, als ständig die Geschwindigkeit zu erhöhen.
(Mahatma Gandi)

Die Kirche selbst ist ganz zauberhaft im friesischen Stil dekoriert. Auf dem Weg zurück zur Bushaltestelle sind mir noch die vielen kleinen Verkaufsstände am Gartenzaun, die rein auf Vertrauensbasis funktionieren, aufgefallen. Dort konnte man Obst, Honig, Eier, aber auch Bilder, Armbänder und Holzschnitzereien kaufen. Das Geld tut man einfach in eine bereitstehende Dose. Wieder an der Haltestelle ging es für mich weiter in den größten und touristischten Ort der Insel: Norddorf.

Norddorf

Der Kurpark in Norddorf

Vielleicht nicht ganz so malerisch wie Nebel, dafür aber ein wenig lebendiger und belebter. Es fällt allerdings auf, auch Norddorf ist selbst gegen den ruhigsten Ort auf Sylt nochmal ruhiger. Aber es gibt eine Kurverwaltung, öffentliche Toiletten(!!!), eine kleine Straße zum Bummeln mit einigen Lokalen und Geschäften. Dort fand ich im ‚Muschelsucher. auch die Gelegenheit zu essen und ich muss sagen, es war sehr lecker und die Bedienung war total nett. Hatte ich schon erwähnt, dass Amrum ein Kindheitstraum von mir war? Als kleines Mädchen habe ich die Buchreihe „Nesthäckchen“ von Else Ury geliebt und Annemarie, so hieß Nesthäckchen war zur Kinderkur ein ganzes Jahr auf Amrum. Seit dieser Zeit wollte ich unbedingt einmal auf die Insel.

Als ich nach dem Essen weiter in Richtung Strand lief, der eine guten Kilometer vom Ortskern entfernt ist, entdeckte ich auch eine riesige Kurklinik in unzähligen Gebäuden. An ihnen läuft man ganz automatisch vorbei.

Der Strand ist spektakulär. Er kann was Weite und Weitläufigkeit bestimmt mit Sankt Peter Ording mithalten. Eine halben Kilometer ist er mindestens breit, endlos lang mit einer wunderschönen Dünenlandschaft. Amrum ist aber kein Brandungsbad (unabhängig von Ebbe und Flut wie Westerland/Sylt), so dass es an vielen Tagen maximal zwei Stunden die Möglichkeit gibt im Meer zu schwimmen.

Zurück gönnte ich mir den Spaß mit dem Strandshuttle zu fahren. Für 1€ pro Strecke/Person pendelt ein E-Golfkarren zwischen Strand und Ort.

Der Tag ist nur so verflogen, denn nun war es schon wieder Zeit zum Anleger zurückztukehren. Die Rückfahrt (18.30 Uhr) nach Hörnum und weiter mit dem Bus nach Westerland funktionierte völlig problemlos und ganz anders als meine Fahrt nach Berlin am nächsten Tag.

Resümee Insel Amrum

Amrum ist eine wunderhübsche, grüne Insel, die zum Spazierengehen und Radfahren einlädt. Meine Insel ist es aber nicht wirklich. Objektiv gesehen fehlen mir eine Strandpromenade und ein Brandungsbad. Emotional nahm  mich die Insel nicht mit. Wie in einer Kirche hatte ich die ganze Zeit das Gefühl nur flüstern zu dürfen und ich glaube nach spätestens vier Tagen würde ich mich langweilen.

📌 Nächste Woche ist die Fortsetzung Schottland geplant.

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