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Schreibwut … 5 Frauen, 1 Mann, die Lust am Schreiben und die Welt der „schreibenden Arbeiter:innen“

Wollen wir wetten? Es geht euch wie mir und ihr sagt „Ähhhhh❓“ . Aber vielleicht ist die eine oder der andere auch ein Kind der DDR und mit ihnen aufgewachsen. Ich spreche von den Zirkeln der schreibenden Arbeiter:innen, die es in jedem größeren Betrieb der DDR gab. Sie waren genau das, was der Begriff sagt, Arbeitnehmer, die neben ihrem Job als Schlosser:in, Mechaniker:in, Bäcker:in, Ingineur:in, Geschichten, Gedichte oder auch ganze Bücher geschrieben haben. Zu ihren bekanntesten Vertreterinnen gehört Christa Wolf.

Wir haben in unserer kleinen Schreibgruppe ‚Schreibwut‘ das Glück, dass Dolores seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Verein arbeitet, der die Erinnerung an die Werke der schreibenden Arbeiter:innen pflegt, archiviert, digitalisiert und für die Nachwelt erhält. Früher war Dolores selbst eine der Schreibenden Arbeiter:innen.

Heute haben wir einen Ausflug zu diesem Archiv in Berlin-Schöneweide gemacht. Es war mehr als lohneswert und noch dazu konnte man es wunderbar mit einem Besuch des Industriesalons in Schöneweide verbinden, weil es sich in seinen Räumen befindet.

Wusstest du, dass sich in Berlin einst das größte Drehstromwerk Europas befand? Oder habt ihr schon mal davon gehört, dass es in der DDR einen Selbstbausatz gab, mit dessen Hilfe man sich einen Fernseher bauen konnte? Das und noch viel mehr erfährt man im Industriesalon Berlin-Schöneweide.

Das Archiv der schreibenden Arbeiter:innen enthält wahre Schätze, nicht nur aus literarischer sondern auch aus historischer Sicht. Denn die Literatur ist doch immer auch Spiegel der Zeit, aber auch der versteckten Gesellschaftskritik. Ich hätte mich am liebsten gleich hingesetzt und erstmal ausgiebig geschmöckert.

Es ist schon eine Weile her, aber vor mehr als 30 Jahren hat mich mein damaliger Dienstherr in den sogenannten ‚Aufbau Ost‘ entsandt. Leider muss ich zugeben, dass sich viele meiner Kolleg:innen wie Kolionaherren benommen haben und sich durch unglaubliche Arroganz hervortaten. Ich hoffe sehr, ich verhielt mich anders …. Tatsächlich war ich mehr als dankbar, eine Stück Zeitgeschichte nicht nur mitzuerleben sondern auch zu -gestalten. Es war mir erlaubt, großartige Menschen kennen- und schätzen zu lernen. Leider habe ich aber auch erlebt, wie die alten Seilschaften wieder auf die Füße gefallen sind.

Ein Beispiel von Kurt Müller aus der Anthologie: ‚Im Kreis, der Leben heißt ‚, Hrsg: SchreibArt e.V., ISBN: 3-00-019010-4

All das und die Geschichte der DDR spiegelt sich in den Werken der schreibenden Arbeiter:innen. Ist es nicht unglaublich wichtig, dass all das auch für die Nachwelt erhalten bleibt? Genau dafür setzt sich der Verein der schreibenden Arbeiter:innen ein.

Informationen

Industriesalon Schöneweide, Reinbeckstr. 9 + 10, 12549 Berlin, info@industriesalon.de

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