Start in ein neues Leben
Allgemein, Pflege von Angehörigen, Trauer, Trauer nach der Pflege

Trauer als Reset und Neustart❗️

Klingt komisch, oder? Aber heute wurde ich daran erinnert, dass Trauer zwar das Lebensende eines Menschen bedeutet. Die Hinterbliebenen leben jedoch weiter und für sie beginnt mit dem Tod ein neuer Lebensabschnitts.

Deine Entscheidung

Wie dieser wird liegt auch in unserer eigenen Hand. Das erste was du tun solltest ist, dich vom schlechten Gewissen zu befreien. Ich hatte das sehr, immer wenn mir gefiel, was ich tat, war da das Gefühl meiner Mutter etwas zu nehmen. Erst musste ich ihren Tod akzeptieren (siehe Phasen der Trauer) bis mir klar wurde, ich kann ihr nichts nehmen. Ich weiß auch, sie hätte gewollt, dass wir (meine Tochter und ich) weitermachen und unsere Zeit auf Erden genießen.

Aufraffen und losgehen

Trotzdem fand ich dieses Vorhaben fast unmöglich, weil ich ja so voller Traurigkeit war. Dieses Blog hat mir sehr bei meinem Reset geholfen. Schreiben war immer schon meine Möglichkeit, mir Dinge buchstäblich von der Seele zu schreiben.

Malen hingegen hat etwas fast mediatives für mich. Wenn ich den Farbpinsel in der Hand halte, denke ich an nichts weiter, als den nächsten Strich, die nächste Farbe. Das heißt, kein Grübeln, ich bin absolut im Hier und Jetzt. Es gibt weder Gestern noch Morgen.

Überwindung heißt das Zauberwort. Mein Glück ist es, in meiner Tochter jemanden zu haben, die mich immer wieder in den Allerwertesten tritt. Mit einem Englischkurs hat sie mich so lange genervt, bis ich mich angemeldet habe. War er gut? Nein! Er war genau, wie befürchtet. War es trotzdem gut? Ja, weil ich mich überwunden habe, auch wenn ich nur zweimal dort war. Ich wollte lernen, frei zu sprechen, ohne Angst etwas Falsches zu sagen. Was war? Grammatik, Grammatik, …. Ich habe abgebrochen, aber es hatte mir Mut gemacht. Etwas später besuchte ich eine Art Night, zu der mich keiner mehr drängen musste und war begeistert.

Weitergehen

Ist der Anfang erstmal getan, wird man mutiger und die Schritte werden größer.

In der letzten Woche war ich mit meiner Tochter und anderen Kiezbewohnern zu einem Gedenkspaziergang. Es ging um jüdische Mitbewohner in unserer Nachbarschaft im Holocaust. Am Ende fragte jemand, wer noch mit in die Weinstube kommt und ich sagte einfach: „Ja, ich!“ Es war ein wunderbarer, sehr gemütlicher Abend mit guten Gesprächen, obwohl ich nicht mal Wein trank.

Daraus resultiertend wurde ich nun zu einem Vortrag zu einer ähnlichen Thematik eingeladen und werde hingehen. Carpe Diem!

New York New York

Anfang Dezember habe ich Geburtstag, der erste ohne meine Mutter. Der Gedanke macht mich sehr traurig, ich sehe meine süße Mama vor mir, wie sie komplett falsch singt und mich voller Liebe ansieht und ich würde alles dafür geben, diese schiefen Klänge noch einmal hören zu dürfen, sie zu drücken. Aber ich weiß auch, diese Möglichkeit wird es in diesem Leben nicht mehr geben. Ich habe Angst vor dem Tag ohne sie, natürlich! Aber meine Tochter hatte eine grandiose Idee und hat für uns beide einen Urlaub angemeldet. Wir werden zusammen nach New York fliegen. Eine Reise, die ich mir schon so lange wünsche. Aber auch und das will ich nicht verschweigen, um uns abzulenken.

Selbstmitleid – Nein, danke!

Wenn meine Mum eines nicht leiden konnte, war es Selbstmitleid, sie hätte mir sowas von, die Hammelbeine langgezogen und vermutlich gesagt: „Mach bloß nicht so ein Theater. Ich bin tot, du lebst, also: LEBE!

Selbstmitleid!

Aber es müssen keine großen Dinge sein, eines muss uns immer klar sein: Egal was immer wir tun, denken und fühlen. Unsere Liebsten kehren nicht zurück! Sie sind nicht mehr in unserer Welt, es gibt ganz einfach KEIN Mittel, sie zurückzuholen. Wenn du ganz tief in dich hinein hörst, gibt es bestimmt etwas, egal was, was du schon immer gerne tun wolltest. Beispielsweise könntest du dir eine Löffelliste machen, mit all den Dingen, die du in DEINEM Leben noch tun möchtest. Nix mehr, weil er/sie nicht mehr da ist? Was hätte dein liebster Mensch wohl zu so einer Aussage gesagt? Ich glaube, er wäre sehr enttäuscht, er möchte nämlich, dass es dir gut geht!!!

Wir leben jeden Tag aus freien Stücken! Dieser Gedanke hat mich – so blöd es klingt – schon oft aufrecht erhalten, weil ich nichtsä muss, zu leben ist nur ein Angebot, keine Verpflichtung.

Mit Leidenschaft

Gibt es etwas, für das du brennst? Tierschutz, Umweltschutz, Reisen, Musik, Malen, Sport Schreiben, Lesen, …? Was erfüllt dich mit Leidenshaft?

Ein guter Freund von mir, hat nach dem Tod seiner Frau angefangen Marathon zu laufen. Er ist bis heute traurig über ihren Verlust und doch ist er wieder froh, zu leben. Eine Bekannte hat ihren Mann verloren und inzwischen ihr erstes Buch veröffentlicht. Was ich mache, siehst du ja, Malen, Schreiben und Reisen sind meine Seelenheiler.

Im Moment merke ich, dass ich an meinem Limit bin, viel mehr geht nicht. Wichtig ist es mir, unter Menschen zu gehen, mit Menschen zusammen zu sein. D.h. mal zu einem Vortrag zu gehen, in die Bürgerversammlung zu gehen. Vielleicht werde ich mich lokal politisch betätigen, wenn ich im Ruhestand bin. Ganz schön aufregend finde ich, was mir doch alles offen steht.

Liebe dich selbst

Nimm dich an, wie du bist, empfinde dich in deiner Trauer nicht als makelhaft. Du bist perfekt, wie du bist.!!!

Mehrere Jahre habe ich quasi gepflegt und gearbeitet, für mehr war kaum Zeit. Arztbesuche kamen kaum vor. Das heißt, ich ging nur hin, wenn ich gar nicht mehr konnte. Mit Vorsorge-Untersuchungen habe ich sowas von geschlampt. Es ist schlimm. Jetzt versuche ich, mich um mich zu kümmern und wieder auf einen guten Stand zu kommen. Zu wissen, an was ich arbeiten muss, ob mein Körper ganz gut in Form ist oder ich größere Baustellen habe. Denn auch ohne meine Mum würde ich immer noch sehr gerne miundestens 103 werden, wie sagt Guido doch so schön:

Oben klar
unten dicht!

(Guido Maria Kretschmer)

📌Wie ist es? Nimmst du die Challenge an? Bitte berichte mir doch, wie es dir ergangen ist. Ich wette, wir schaffen das!

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