Die inzwischen häufigst gestellte Frage an mich ist: „Na, wie ist es, weißt du schon, ob du bleiben wirst.“ Die Antwort ist ganz einfach: „Nein!“. (AdR: Schwalben werden hier übrigens die Menschen genannt, die regelmäßig überwintern).
Eigentlich ganz einfach, weges des Wetters etc., denkst du? Stimmt, aber auch wieder nicht. Aber auch in Deutschland wartet ein Leben und da sind Menschen, die mir wichtig sind. Dass es wunderschön hier ist, steht außer Frage. Doch auch im Paradies ist nicht alles perfekt. Gerade lebe ich (noch) in einer komplett deutschen Bubble. Die einzige Spanierin, mit der ich mehr als einen Satz gewechselt habe, ist meine Spanischlehrerin. Das sollte, wenn Frau in Spanien lebt, nicht so sein, wie die kleine Geschichte ganz unten beweist.
Solche & Solche

Es gibt hier eine Gruppe deutscher Einwanderer, selbst Ausländer*innen und Migranten. Die sitzen hier und regen sich über Ausländer auf. Dass sie selbst welche sind, stört dabei nicht. Denn das ist natürlich etwas gaaaanz anderes. Die meisten sind glücklicherweise nicht so, sondern voll integriert und mittendrin. Da ist es sogar so, dass Cafés und Restaurants abgelehnt werden, weil die ‚zu‘ deutsch sind.
Es kann so einfach sein
Besonders genieße ich die Leichtigkeit und das alles so unkompliziert ist. So war ich beispielsweise mit zwei ganz besonders netten Leuten drei Stunden Kaffeetrinken, von denen ich eine Person gar nicht kannte. Nichtsdestotrotz wurden mir im Anschluss noch direkt ein paar gute Adressen gezeigt und Tipps gegeben. Am Tag danach habe ich mit 2 Frauen, die ich gerade erst kennengelernt habe, einen wunderschönen Ausflug gemacht (mehr dazu am Sonntag).
Alle duzen sich, es fehlt dieses Steife und Gezwungene. Manchmal habe ich das Gefühl, mein Bekanntenkreis hier ist jetzt schon größer als der in Berlin nach 24 Jahren. Aber ist das belastbar? Das weiß ich noch nicht, aber ist das in Berlin anders?
Ein paar Spanier gibt es hier auch
Spanier*innen sind unglaublich höfliche und freundliche Menschen, die wenn man sie in ihrer Muttersprache anspricht, auf Deutsch oder Englisch antworten. Manchmal habe ich das Gefühl Unfreundlichkeit und Ungeduld sind für sie ein Fremdwort.
Was ist mit der Anti-Tourismus-Bewegung? Bisher ist die an mir vorbeigegangen. D.h. ich habe zwei Graffitis gesehen, jeweils an Orten, an die wahrscheinlich nie ein Tourist kommt.

Weitere schlagende Argumente: Immer Sonne und das ganze Jahr leichte Kleidung und die wunderschöne Natur oder was meinst du?








Das alles heißt aber noch nicht, ich bin fest entschlossen zu bleiben, denn natürlich gibt es auch Argumente, die dagegen sprechen.
Was fange ich mit meiner Zeit an?
Habe ich genug Beschäftigung? Irgendwann würde ich so lange hier sein, dass ich die meisten bzw. die Sehenswürdigkeiten, die mich interessieren, kennen werde. Kunst, in Berlin ein wichtiger Part meines Lebens geht mir ab, genau wie Kino oder Theater.
In Berlin bin ich in der Lokalpolitik aktiv. Da mache ich z. Zt. von hier aus den Schriftkram. Würde ich hier bleiben, wäre es damit vorbei. Mein Schreibclub würde mir fehlen, von meiner Tochter will ich gar nicht reden. Sie geht mir trotz aller Telefoniereei total ab.
Du denkst bestimmt jetzt, die hat ’nen Knall, aber mir fehlt auch der deutsche Herbst, meine warmen Schlafanzüge, die dicken Socken, Kerzen, Tee und lange Spaziergänge durchs knisternde Laub.
Zum Schluss, was zum Lachen:
Was schlechtes Spanisch und tote Fische mit Augen miteinander zu tun haben 😉

Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand.
Johann Wolfgang von Goethe
Diese Geschichte schmeichelt meinen Spanisch-Kenntnissen nicht wirklich. Mit Bekannten war ich in einem richtig urigen Fischlokal. Ein Fischfilet mit Salat meinte ich bestellt zu haben. Der Kellner hatte jedoch vermutlich etwas falsch verstanden (an mir KANN es nicht gelegen haben!), er brachte nämlich einen großen Salat, einen riesen Teller Papas Arrugadas (Kartoffeln mit Salzkruste) sowie drei ganze Doraden (Preis für alles 22€) und die AI. Sprich mit Augen, Flossen u.s.w.😂😂😂. Es war ein kleiner Familienbetrieb im Hafen, die Fische hatte bestimmt ein Verwandter am gleichen Morgen gefangen. Ich konnte mein Essen also nicht zurück gehen lassen, dann hätte der Wirt sein Gesicht verloren, unmöglich! Also aß ich, erst voller Todesverachtung. Doch dann, Irrtümer sind manchmal gar nicht so schlecht, der Fisch war DER Hammer, sooooo lecker. Was ein Glück, stell dir vor, ich hätte versehentlich Muscheln oder Pulpo bestellt. Dann hätte ich wohl wortwörtlich untertauchen müssen, denn nicht mal für 1 Million …
Fortsetzung folgt …
Ein Gedanke zu „Bleiben, die Schwalbe machen oder gehen? & Lachen ist gesund – Ela 60plus wandert aus“