Lupinen in blühender Landschaft
Faltenfreie Seele reist durchs Leben, Wer schreibt, der bleibt

Fernweh

Heute erzählt euch Dolores von Fernweh, aber auch vom Zuhausesein. Mehr über die neuen Gastautorinnen gibt es hier.

Ein Text von Dolores Pieschke

„Wenn ich nicht rechtzeitig da bin, fahrt schon mal los.“

Ich drücke das Gespräch weg und stecke das Handy in die Tasche. Lust hätte ich schon, mal andere Leute zu sehen, mich mal nicht nach Unkraut zu bücken.

Ich schließe ab. Auf dem Weg zum Briefkasten komme ich an den Lupinen vorbei. Sie reichen trotz des kalten Frühlings schon bis an meine Waden.

In der Rosette des Lupinenblattes wölbt sich eine Wasserkugel, daumennagelgroß. Lotoseffekt. Warum hat man ihn nicht Lupineneffekt genannt? Bestimmt des Fernwehs wegen. Ich habe die bunten Lupinen dicht an den Briefkasten gepflanzt, meinetwegen und wegen der Spaziergänger.

Die Wasserkugel rutscht durch die Oberflächenspannung nicht durch die Ritzen zwischen den Blättern.

Neben der Lupine ein dickes Grasbüschel. Sind wir hier im Urwald, wo alles wachsen darf wie es will? Es ist noch Zeit ist bis zum Bus. Die Wurzeln bilden einen solchen Ballen, dass ich die Tasche hinstellen und mit beiden Händen in die Erde muss. Ziehen, graben, ziehen, graben. Die Wurzeln sind weitergewandert, das kleinere Büschel zwei Hände weiter weg muss auch raus.

Die Uhr zeigt drei vor zehn. Verflucht, den übernächsten Bus schaffe ich auch nicht. Und da sind noch zwei Büschel. Ich schüttele die Erde von den Händen, bringe meine Tasche ins Haus und ziehe die Gartenhose an. Und denke, dass meine Reiselust für diesmal an den Grasbüscheln endet.

Lupinen in blühender Landschaft
Dahin wollen sie wachsen by rana88888

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