Calima ist vorbei, wahrscheinlich, mal schauen, für wie lange. Man hat mir erzählt es sei eine im Oktober häufige Wetterlage. Daher auf, ich kann endlich wieder was unternehmen.
Nimmt mein gesellschaftliches Leben hier Fahrt auf? Sonntag war ich mit neuen Bekannten bei einem sehr netten Frühstück, dass noch dazu richtig gut war. Sie planen größere Weihnachtsfeiern am Strand, bestimmt lustig. Eingeladen wurde ich (noch) nicht. Aber dafür habe ich wertvolle Tipps bekommen, das ist doch schon mal was.
Wird das was mit den Menschen hier? Weiß ich noch nicht. Das wird die Zeit zeigen und unsere Welt hat ja einen riesen Vorteil, wir können die Menschen, die uns wichtig sind, überall mit hinnehmen.
Mein Spruch des Tages:
In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein von den Dingen, die du nicht getan hast, als von denen, die du getan hast. – Mark Twain
Heute erzähle ich euch von einem wunderschönen Ort, den ich mir angesehen habe (Mehr zur Anreise unten in den Sachlichkeiten!).
Mein Ziel: El Sauzal

Allem voran, El Sauzal ist einer der zauberhaftesten Orte, an dem ich je war. Wie es für mich war, müsstest du einige meiner Einzelteile separat befragen. Herz, Hirn und Augen geraten komplett ins Schwärmen. Knie, Hüften und was man sonst zum Laufen braucht, sagen hingegen: „Mädel, du hast ’nen Knall, wie konntest du uns das zumuten? Wir fühlen uns wie einmal durch den Fleischwolf gedreht und wieder ausgespuckt“.
Ich muss zugeben, so ganz unrecht haben sie nicht. Als ich endlich unten ankam, auf den ersten Blick alle Bars und Restaurants geschlossen war und meine Blase ihr Recht verlangte, war ich nah dran, mich auf eine Bank zu setzen und eine Runde zu heulen. Da hätte ich ihnen bestimmt recht gegeben.
Trotzdem haben sie unrecht, denn manche Dinge lohnen die Mühe und ich muss sagen, im Nachhinein war ich auch ganz froh, nicht den Bus gekannt zu haben, der einen direkt bis nach unten bringt.
Aber von vorne, ich hatte mir das Ziel bereits am Wochenende vorgenommen und da Calima ruht konnte es losgehen. Ich beschloss schon in Puerto, die Treppen inkauf zu nehmen, die zur Haltestelle ‚El Risco‘ führen, statt wieder durch die ganze Stadt zu laufen. Ich fand sie viel weniger anstrengend, als erwartet, aber hübsch und idyllisch, in ca. 10 Minuten war ich an der Haltestelle.





Leider und das lernt man hier sehr schnell, funktioniert der ÖPNV zwar sehr gut, aber Fahrpläne (gibt es nur noch als QR Code) sind mehr grobe Anhaltspunkte. An dieser Haltestelle, genau vor einer Tankstelle gibt es leider keinen Schatten. Also verbrachte ich die Wartezeit (statt der angegebenen 5 Minuten, 20) auf einem Quer-Rohr neben einer Tanksäule. Selbst auf diesem besonderen Plätzchen fiel mir auf, wie freundlich die Menschen hier sind. Immer wieder wurde ich gefragt, ob es mir gut geht.
Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist …
Dann kam mein Bus, ich scannte meine Ten+ Karte (Bezahl- und Rabattkarte) und verfolge bei Maps die Route, die übrigens traumhafte Ausblicke auf den Atlantik bietet. Umsteigen sollte ich beim Halt El Peñon (Spanische Sonderzeichen), Karte gescannt und ausgestiegen, alles kein Problem. Es dauert wieder etwas bis der richtige Bus kam, leider konnte ich von meinem Platz die Anzeige nicht lesen und mir war nicht klar, dass die Fahrt so kurz ist. Was soll ich sagen, ich fuhr vorbei und landete in Taraconte, einer bestimmt auch netten Kleinstadt. Blöd nur, dass mir beim Korrekturversuch der richtige Bus direkt vor der Nase wegfuhr. Aber diese grandiose Aussicht hätte ich sonst verpasst:

Als er nach 20 Minuten kam, war ich schon nach fünf Minuten am Ziel (dachte ich). Stand erstmal etwas planlos an einer Landstraße, sehr weit oben und wusste nicht, wohin. Aber mein hier bester Freund Goggle Maps konnte mir helfen und ich fand den Weg. Im Grunde ging es immer nur bergab und zwar (sehr) steil. Ich kann nur hoffen, dahinter steckt keine Symbolik für mein Leben. Umkehren war keine Option, zum einen, hätte ich dann hoch gemusst, zum anderen wurde es schöner und schöner, mit jeder Kurve um die ich ging.
Leiden lohnt (manchmal)
Mit wirklich heftigen Schmerzen einer sehr drückenden Blase kam ich am Ziel, dem Kirchplatz und dem Aussichtsplatz, an. Bei aller Erschöpfung konnte ich nicht übersehen, das war einer der schönsten Orte an dem ich je war, der Blick, die üppige Vegetaion, die Ruhe, mitten drin eine Kirche von 1515. In El Sauzal würde ich gerne leben, aber ohne Auto wäre das wohl keine Option. Ein kleines Problem: montags und teilweise auch dienstags haben viele Lokale und auch die meistens Sehenswürdigkeiten geschlossen. Dumm gelaufen. Nachdem ich schon erwogen hatte, mich in die Büsche zu schlagen, diese Idee aber rasch verwarf, entdeckte ich eine kleine Bar, in der ich sämtliche dringlichen Bedürfnisse befriedigen konnte. Ich bekam eine Cola zero und einen leckeren Käsetoast für 3,80€, dazu eine super freundliche Bedienung.















Warum auch eine Bushaltestelle ein Wunder sein kann
Dann erlebte ich mein eigenes kleines Mini-Wunder. Mir war klar, hoch auf den Berg komme ich nicht wieder und so erwog ich den Wirt zu bitten, mir ein Taxi zu rufen. Dann hielt auf einmal quasi neben mir ein Bus und was soll ih sagen, neben der Bar war eine Bushaltestelle, von der ich nach La Laguna fahren konnte. Schon wieder hätte ich heulen können, aber dieses Mal vor Freude. Kurz entschlossen, nahm ich den nächsten Bus in der festen Absicht, bald an einem anderen Wochentag und mit dem ‚richtigen‘ Bus wieder zu kommen, denn den zauberhaften Weg abwärts kenne ich ja nun.
Die Rückfahrt dauerte wegen der vielen Stops ein wenig länger, was aber durch den Schnellbus ab La Laguna ausgeglichen wurde. In La Paz angekommen, war ich dann so ausgehungert, dass ich im erstbesten Restaurant landete, das Essen hat mir nicht geschmeckt und war für hiesige Verhältnisse sehr teuer.
Sachlichkeiten – Wie komme ich mit dem ÖPNV hin?
Mein Weg:
Wenn man öfter mit dem Bus unterwegs ist, lohnt sich eine Ten +-Karte. Diese ist zum einen Rabatt-Karte, zum anderen kann man Guthaben aufladen (Erklärung). Ansonsten kann man auch mit der Kreditkarte bezahlen. Anfahrt mit der Linie 30 (zum Flughafen Nord) bis El Peñon, von dort mit der Linie 101 (nur 1 Haltestelle!) bis El Lagar von dort laufen, wenn man gut zu Fuß ist oder die Linie 12 nach unten nehmen.
Alternativen:
Mit der 30 bis Taraconte (dort ein kleines Stück zurückgehen und die Straßenseite wechseln) oder mit der Linie 103 bis zum Intercambiador La Laguna und von da mit der Linie 12 (Richtung La Perales) bis zur Haltestelle San Nicolás , dieses letzte Stück Weg sollte man sich unbedingt gönnen oder wenn das nicht geht bis zur Haltestelle El Sauzal. Bei Google-Maps steht ‚Größtenteis flach‘, es sind mit die steilsten Straßen in einer Stadt, die ich je gegangen bin!!!
Übrigens bin ich schon voll dabei, meinen nächsten Aufenthalt in El Sauzal zu planen.
Fortsetzung folgt …
Ein Gedanke zu „Entdecke El Sauzal: Ein verstecktes Juwel auf Teneriffa“