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Ausgewandert nach Teneriffa mit 60plus, Woche 22

Vom Blog, dem echten Leben, Ende des Honeymoons, meinen Bauchschmerzen und wunderschöne Mandelblüten in Santiago del Teide

Könnt ihr euch noch erinnern, wie es war, als ihr das letzte Mal so richtig verknallt gewesen seid? Bei mir ist es zugegebener Weise schon ein Weilchen her, aber so schwache Erinnerungen gibt es noch. Es ist doch so, in Phase 1 schwankt man ständig zwischen Himmel und Hölle nach dem Motto: er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, u.s.w.. Aufregend, belebend, furchtbar und voller Drama. Dem folgt Phase 2, man hat sich gefunden, es gibt keinen, tolleren, lieberen, aufregendsten, schönsten, wunderbarsten Menschen auf der Welt. Man braucht nichts auf der Welt als einander. Der Honeymoon eben. In Phase 3 sinkt der Spiegel der Glückshormone, einem fällt die eine oder andere Kleinig- (oder Großig-)keit auf, die man vielleicht nicht ganz so toll findet: „Schatz, kannst du nach dem Zähneputzen bitte die Zahnpastareste wegmachen“. Man denkt, wie schön doch mal wieder ein Abend mit den Mädels oder ein Einkaufsbummel mit der Freundin wäre. Ein Schlunzsonntag im Schlafig, mit Fastfood und den Gilmore Girls lockt ungemein. An diesem Punkt entscheidet sich, das weitere Schicksal der Beziehung.  Übersteht sie diese Phase, liebt man den anderen trotz oder gerade wegen seiner Unzulänglichkeiten eher noch mehr. Ich wette, ihr kennt das auch.

Alltäglich anders

So oder so ähnlich ist es auch mit dem Auswandern und ich bin gerade dabei in Phase 3 einzutreten. Schon oft habe ich euch von den vielen Menschen erzählt, die man hier so unkompliziert kennenlernt. Bei mir sind das in den fünf Monaten meines Hierseins bereits die ganze Palette. Von der losen Bekanntschaft bis zu tollen Freundschaften. Das finde ich schon mal erstaunlich. Unter so erwachsenen Menschen (ü60) kenne ich das aus Deutschland nicht. Zum einen liegt das wohl daran, dass die meisten hier, so wie ich, ohne Anhang bzw. nur mit dem Partner herkommen, zum anderen sind Menschen, die sich trauen so einen Schritt zu machen, vielleicht aufge- schlossener?

Zur Zeit bezieht sich meine Einschätzung zu 90% auf die deutschsprachigen Bewohner. Ab und an unterhalte ich mit dem kanarischen British Barber an der Ecke in einem englisch-spanischen Sprachmix und mit Don Rafael, meinem neuen Vermieter, der aber perfekt deutsch spricht. Sonst nur noch mit meinen Spanisch-Lehrerinnen, Kellnern u.s.w. . Aber irgendwie sind die meisten Deutschen hier gar nicht so richtig deutsch. Es gibt  kaum Jammerer und Sorgen- bzw. Erbsenzähler. Fast alle schätzen sich glücklich auf Teneriffa leben zu dürfen. Natürlich muss man auch hier ab und an die Spreu vom Weizen trennen.  Zum Glück ist die große Mehrheit aber dauerhaft nett.

Es ist in Puerto ein bisschen wie auf dem Dorf, mich erinnert es an meine Jahre in Oberstdorf. Übrigens auch hinsichtlich der Dankbarkeit in diesem Paradies mit kleinen Macken leben zu dürfen. Jeder kennt jeden und ja, der Klatsch blüht hier und da. Aber auch die Akzeptanz ist groß, man darf sein, wer man ist. Natürlich vergesse ich meine alten Freunden in Deutschland und .. und … und darüber nicht.

Muss man hier nicht glücklich sein?

Aber – wie gesagt – das dauerhafte Staunen und der glückseelige Honeymoon sind Geschichte und es ist so eine Art Alltag eingezogen. Mir fallen auch schon mal die negativen Aspekte des Lebens hier auf. Z.B. erzähle ich Mayra (Spanischlehrerin 2.0), dass ich finde, man solle die beiden Bauruinen im Stadtteil Martianez endlich abreißen, um neue Wohnungen zu bauen. Prompt sagt, die ansonsten sehr freundliche Frau: ¿Para los Alemanes? Nein natürlich nicht, ich dachte an Sozialwohnungen für spanische Familien, die sich hier keinen Wohnraum mehr leisten können. Aber hier bin eben ich die Ausländerin.

Was ich auch sehr nervig finde ist der Amtsschimmel, der hier noch viel lauter und langsamer wiehert und manchmal kotzt mich zugegebenermaßen auch das ewige Mañana an, denn nichts fängt je pünktlich an.

So geht es weiter mit dem Blog

Normal ist es, dass ich auch hier auf Dauer und nicht Tag für Tag tolle Sachen unternehmen kann und will, weil ich entweder keine Lust habe oder/und mein Portemonai unter chronischem Schwund leiden würde.

Darum wird es zukünftig am Sonntag einen Wochenpost geben, in dem ich euch natürlich weiter von den schönen Unternehmungen erzählen, euch aber auch ein wenig vom Reallife einer Auswandererin meines Alters und von meiner Woche berichten werde. Einverstanden?

Der normale Wahnsinn

Dann fangen wir gleich mal mit meinen Bauchschmerzen der letzten Woche an, ja ich habe zwei Tage flach gelegen, es ging mir echt besch***en. Als meine Überlegungen woher und warum und ich nichts mehr bei mir behalten konnte, bin ich zum Arzt. Wie es aussieht vertrage ich die super leckeren, absolut biolgischen Zitrusfrüchte nicht. Weder viel noch wenig, einfach nix.

Nachdem ich sie weggelassen hatte, war ich ganz schnell wieder fit und musste mir, etwas Schönes gönnen und beschloss nach Santiago des Teide zur Mandelblüte zu fahren.

Mandelblüte

Ganz bewusst, allein, ab und an brauche ich das, denn schließlich und endlich – sorry Mädels – bin ich ja meine allerbeste Freundin.

Die Anfahrt von Puerto de la Cruz ist denkbar einfach. Man kann man mit dem Bus 325 durchfahren, bei mir war es der um 10.33 Uhr (fast pünktlich). Wenn es irgend geht, sollte man sich auf die rechte Seite und optimal (wie ich) ganz vorne hinsetzen. Ich kann euch fantastische Ausblicke versprechen. Aber ich muss auch eine kleine Warnung aussprechen, denn die Serpentinen sind nichts für empfindliche Nerven und Mägen. Kann man die Fahrt aber genießen, begreift man spontan den Wahrheitsgehalt des Aphorismuses: (KI sagt das wäre so korrekt):

Der Weg ist das Ziel
(Konfuzius)

Meine Route

Die Wanderung hatte ich in der Komoot-App gefunden. Mich als Großmeisterin des Verlaufens oder Verfahrens zu bezeichnen, wäre keine Übertreibung. Aber dank Komoot (Nein, die Zahlen mir (leider) nichts) habe ich den richtigen Weg problemlos gefunden. Wenn ich meckern müsste, würde ich sagen, der Weg war keineswegs eben und man sollte schon gutes Schuhwerk tragen und ganz sicher keine Sandalen, wie eine Dame, die getroffen habe. Auf den Wegen liegen sehr viele lockere Steine und auch einige Brocken, die gerne mal wegrutschen. Mit meinen Sneakern bin ich teilweise ganz schön ins Stolpern geraten.

Aber der Weg als solches war herrlich, ein wahres Naturparadies, dass ich bei strahlendem Sonnenschein erwischt habe. Der Weg ist etwa 5 km, es geht etwas bergauf, ist aber sogar für jemanden mit meinem vermurksten Rücken gut machbar.

Begegnungen

Lustig was man unterwegs so für Menschen trifft. Mir begegnete beispielsweise ein Paar, das sich schon laut streitend näherte. Ich mache den fatalen Fehler und erwiderte das deutsche „Hallo“. Denn nun blieb die Frau, die mit Sandalen (s.o.), aber Wanderstöcken unterwegs war mit den Worten: „Nun sagen se mal, können Sie sich vorstellen, dass meine Spinalkanalstenose (Verengung der Wirbelkanäle) beim Laufen so wehtut, dass ich nich mehr weiter konnte?“ Mir war das ganze etwas peinlich und so nickte ich und sagte: „Klar, Sie Arme, das tut bestimmt sehr weh“. Ihr Anlass den Gatten anzumotzen „Na, siehste Egon, die Dame (ich) versteht mich und meckert nich wie du und beiden anderen“. Es wurde peinlicher und peinlicher. Nun blieb sie stehen und klagte mir 10 Minuten ihre Leiden, bis sie bemerkte, dass der Gatte sich inzwischen verdünnisiert hatte. Da nahm sie dann doch schnell die Verfolgung auf. Ich atmete tief durch und marschierte weiter. Nach einem weiteren Kilometer kam mir noch ein Ehepaar entgegen, sehr einträchtig, weil laut klagend über diese unmögliche Frau, die auch ihnen, den Freunden, alles versaut habe. Zum Glück bin ich ja lernfähig und erwiderte ihren Gruß freundlich mit: „Hola“ ¿Que tal? und vorbei war ich. Mehr vom Weg seht ihr auf den Fotos und im Video.

Meine Mandelblütenrunde in Santiago del Teide

Belohnungen

Gekrönt wurde die Wanderung in Form einer köstlichen Lasagne in der Cafeteria Tropic II. Dort habe ich für Lasagne, Brot, Butter, Cola, Wasser und Cortado ohne Trinkgeld 10,80 €. bezahlt.

Zurück fahren kann man mit dem Bus 460 bis Icod und dort in einen der Busse nach Puerto, in meinem Fall die 363, umsteigen. Die Fahrt Hin und zurück hat 6€ gekostet.

Wieder in Puerto angekommen und in La Paz ausgestiegen, empfing mich noch ein herrlicher Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang am Mirador La Paz

Natürlich habe ich in dieser Woche viel mehr erlebt, ich habe Freunde getroffen, hatte Kaffeedates, war schwimmen (Lüge!-Sonnenbaden), einkaufen und hatte zwei Stunde Spanisch nacheinander … puuuuhhh,

Fortsetzung folgt …

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