Seele, Trauer

Phasen der Trauer oder doch ganz anders?

Weiß ich jetzt, wie Trauer geht? Nein, denn jeder Mensch trauert anders. Ein richtig oder falsch gibt es nicht. Aber es gibt ein paar Grundsätze.

Wie läuft Trauer ab?

In der Wissenschaft wird oft von vier Phasen der Trauer gesprochen, die da sind:

  1. Nicht wahrhaben wollen
    Das erklärt sich eigentlich von selbst, man will den Tod eines geliebten Menschen nicht wahr nehmen, leugnet ihn.
  2. Aufbrechende Emotionen
    Gefühlsausbrüche, Tränen, Wut, Verzweiflung
  3. Suchen und sich Trennen
    Man akzeptiert den Verlust, man setzt sich mit dem Verstorbenen auseinander und auch mit den eigenen Gefühlen für ihn. man redet mit der Verstorbenen, laut oder leise. Zieht so eine Art Bilanz. Am Ende akzeptiert man den Verlust.
  4. Neuer Selbst und Weltbezug
    Man ordnet das eigene Leben neu, schafft sich eine Welt ohne den verstorbenen Menschen.

Eine gute Erklärung dieser Phasen, findet ihr hier.

Wann beginnt die Trauer?

Wir wussten schon ein paar Wochen vorher, dass wir meine Mutter verlieren würden und ich denke, ich habe schon da mit dem trauern begonnen. Schon zu dem Zeitpunkt steckte ich in Phase 1 und 2. Ich habe mir eingeredet, meine Mutter habe es schon so oft, entgegen der Aussagen der Ärzte, geschafft und so würde es diesmal auch sein. Daran habe ich auch lange festgehalten. Dann, als die Verleugnung nicht mehr funktionierte, wurde ich wütend und zwar auf meine Mutter. Das tut mir heute ganz furchtbar leid, aber ich war ihr böse, weil sie mich alleine lassen würde. Denn das ging ja nicht, sie war doch immer da gewesen. Außerdem fand ich, sie kämpft nicht genug. Auch das war komplett dämlich, meine Mutter wollte so sehr bei uns bleiben, aber ihr Körper konnte einfach nicht mehr.

Späte Einsicht

Ganz am Ende kam bei mir erst die Einsicht, dass es geschehen würde und auch geschehen musste. Die Wut wandelte sich in ganz große Zärtlichkeit und Liebe. Daneben gesellte sich Verzweiflung, ich bettelte, betete und versuche mit Gott zu verhandeln, es war einfach unvorstellbar ohne meine kleine Mum leben zu sollen.

Drei Monate später …

Am 5. November waren es drei Monate ohne sie, wie ist es mir/uns ergangen? Hat sich die Trauer verändert?

Die ersten zwei Wochen waren wir förmlich auf der Flucht, wir sind durch Berlin gelaufen und wissen kaum noch, wo wir waren. War ich mal zu Hause habe ich mich mit Aktivitäten zugeschüttet, ich hätte jeden Putzteufel das Fürchten gelehrt. Habe geschrieben, gemalt, wirklich exzessiv ferngesehen. Vier Staffeln NCIS in zwei Wochen.

Was ändert die Beisetzung?

Die Wartezeit (6 Wochen) bis zur Beisetzung waren unendlich lang und quälend.

Das Begräbnis war dann eine Zäsur. Kurz danach habe ich wieder angefangen zu arbeiten, zeigte nach Außen ein lächelndes Gesicht, innen drin war alles leer.

Wusstet ihr, dass man einer Tochter keine so lange Trauerzeit zubilligt wie beispielsweise einer Witwe? Es ist so, denn nun bin ich doch die Bürde der Pflege los und kann mich (endlich) wieder meiner Zukunft widmen. Freuen sollte ich mich vermutlich.

Leider muss ich all diejenigen, die das denken enttäuschen. Meine Mutter war einer meiner Lebensmenschen, meine beste Freundin, eine tolle Kameradin und eine Seelenverwandte.

Es verändert sich

Trotzdem wurden die Abstände zwischen den Wellen der Trauer allmählich länger, es gab schon mal gute Tage. Dann kam Corona und damit knapp zwei Wochen Quarantäne. Mir ging es nicht so gut und ich war ganz allein. Es war eine wirklich schwere Zeit, aber auch eine heilsame. Ich konnte vor der Erkenntnis: ‚Sie kommt nicht wieder‘, nicht mehr wegrennen, ich musste mich ihr stellen.

📌 Fortsetzung folgt

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